Praktische Vernunft

(Foto: © Welf Schröter)

Einblick ins Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen (Foto: © Welf Schröter)

225 Jahre nach dem Sturm auf die Pariser Bastille an jenem 14. Juli ist die Erbschaft des Citoyen und der Citoyenne in den europäischen Gesellschaften sowie darüber hinaus heute noch immer nicht abgegolten, nicht vollendet. Noch immer ist der Tagtraum der Bürger-, Freiheits- und Menschenrechte stärker als ihre Einlösung.

Zu schnell haben jene, die die Vollendung des Marktes anstrebten, die Erbschaft der Jakobiner angetreten. Zu schnell haben jene anderen, die die bürgerliche Demokratie kennenlernten, sie verkürzt als Stimme des Wertgesetzes diskreditiert.

In Kritik gegenüber dem Marxschen Denken erhob Ernst Bloch 1967 seine eigene Stimme, um den Citoyen gegen seine Gegner zu verteidigen. Es sei ungenügend, die Erbschaft des französischen Juli nur als Wegbereitung der „Verfallstendenzen“ einer kapitalistischen Gesellschaft zu begreifen. 1789 trage noch ein anderes „Erbe“ in sich, nämlich „das Erbe des bürgerlichen Naturrechts der Aufklärung und die aus seiner Rechtsutopie einer »bürgerlichen Gesellschaft« größter und gleicher individualer Freiheit und Sicherheit hervorgehende Demokratie der Französischen Revolution.“

In seiner Rede zur Entgegennahme des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Paulskirche setzte Bloch auf das Subjekt, das Subjektive, den Wärmestrom gegen allzu abirrenden Kältestrom: „Wenn die Verhältnisse die Menschen bilden, so hilft nichts als die Verhältnisse menschlich zu bilden; es lebe die praktische Vernunft.“

Kantianisch geprägt sucht er die Kräfte der Aufklärung, symbolisiert als Trompetenstoß im „Fidelio“. Aufklärung und Aufhebung des Ungleichzeitigen in der Geschichte des Bewußtseins der Citoyens und Citoyennes.

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