Philosophie der Ermöglichung einer menschlichen Zukunft

Zum Tode von Helmut Fahrenbach. Erinnerungen an einen Philosophen.
Ein Nachruf von Welf Schröter

„Denn aus der Grundsituation und Bewusstwerdung des Menschen, dass er sein Leben als Aufgabe der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung zu führen hat, entspringt das philosophische Fragen des Menschen nach sich selbst und den Bedingungen und Sinnmöglichkeiten seiner Existenz.“ In diesem Satz von Helmut Fahrenbach lässt sich das zentrale Leitmotiv seines philosophischen Denkens, seines wissenschaftlichen Arbeitens und seines gesellschaftspolitischen Handelns unzweifelhaft herauslesen. Fahrenbach, der Philosoph, und Fahrenbach, der Hochschullehrer, sowie Fahrenbach, der Materialist, waren sich der Einfachheit der Frage und der enormen Komplexität der Antwortsuche bewusst. Jener Schlüsselsatz lädt ein zu den Themen, die des Fragens würdig – also im Sinne Helmut Fahrenbachs „frag-würdig“ – sind. Doch auch für den dialektisch-widersprüchlichen Weg des Antwortens hatte er das Ziel der Praxis eines human-ethischen Regelwerks, einer „Philosophie kommunikativer Vernunft“ in Anlehnung an Jaspers sowie im Dialog mit Habermas vor Augen. Dabei blieb er präzisen Analysen einer komplexen Welt zugewandt, die – seiner wiederholten Ansicht nach – den Spuren der materialistischen Erkundung und Differenzierung methodisch folgen müssen.

Den Mittelpunkt seines belesen-umfassenden Gesamtwerkes bildet das umgewälzte Verständnis einer „Philosophischen Anthropologie“. Zurückgreifend auf Kant, Hegel, Kierkegaard. Löwith, Plessner und Marx ging er auf die Grundfrage des Menschen zu. Im Vorwort zum ersten Band seiner „Philosophischen Anthropologie“ fasste er auf Wunsch seiner Verlegerin Irene Scherer sein Anliegen in eigenen Worten zusammen: „Der Titel ,Philosophische Anthropologie‘ fungiert im Folgenden nicht als Bezeichnung für eine ,philosophische Teil-Disziplin‘, die sich ihrem systematischen Status und ihrer Reflexionsform nach von anderen philosophischen Problemstellungen (etwa ontologischen, erkenntnistheoretischen, moralphilosophischen) und von thematisch analogen wissenschaftlichen Fragestellungen (naturaler, sozialer, kultureller Anthropologie) unterscheidet. Er soll vielmehr die grundlegende und zentrale Thematik der Philosophie kennzeichnen, in der es um die Selbst- und Seins-Erkenntnis des Menschen geht, deren Ermöglichung allem konkreten und lebensbezogenem Philosophieren motivierend und sinngebend zugrunde liegt.“

In seinem Beitrag zum Band „Unterwegs zum Menschen“ unterstrich Martin Böhler die hohe Aktualität des Fahrenbachschen Ansatzes. Böhler schrieb: „Der von Interessen geleitete Verlust traditioneller, sicherer Fundamente seiner Selbstbestimmung (z.B. Religion, Humanismus) erzeugen für den modernen Menschen in der Tendenz eine prinzipielle Unsicherheit hinsichtlich seines Selbstverständnisses, was für ihn die Frage nach sich selbst um so dringlicher werden lässt: Was ist das – der Mensch? Was heißt es, ein Mensch zu sein? Die Antwort auf diese Frage ist die Aufgabe der Philosophischen Anthropologie.“

Das Fahrenbachsche Verstehen des Begriffes „Ermöglichung“ nimmt in kritischer Reflexion das theologische Wort der „Hoffnung“ auf, um es ins Diesseits wendend sowohl mit Bloch als auch in vorwärtstreibender Weise über Bloch hinaus ins Weltoffene, sich abkehrend vom Utopischen viel eher hin ins Konkret-Utopische auf der Basis eines antizipierenden wie auch eines antizipatorischen Bewusstseins praktisch werden zu lassen. Nicht nur in diesem Sinne ist Helmut Fahrenbachs Philosophie eine „Philosophie der Zukunft“.

In die Betonung des gesellschaftlichen Potenzials der Möglichkeit bzw. der Möglichkeiten bettet Fahrenbach die notwendige „Erschließung des Problemfeldes zwischen philosophischer Anthropologie, Ethik und Gesellschaftstheorie“ ein. Philosophisch begründet forderte er ein neues Aufeinanderzugehen der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften in Richtung auf eine sich selbst hinterfragende Philosophie. In dem Großteils fehlenden Aufeinanderzugehen der genannten Disziplinen sah er eine strategische Lücke in der erforderlichen Interdisziplinarität.

In diese Lücke stieß Fahrenbach mit seiner Bloch-Rezeption, mit der er zu einer praktischen Philosophie aufrief: „Die faszinierenden und irritierenden Züge von Blochs Denken verstärken und komplizieren sich noch einmal dadurch, dass es Bloch nicht nur um Philosophie, sondern um deren wesentlichen Zusammenhang mit der marxistischen Theorie bzw. um unverkürzte ‚marxistische Philosophie‘ geht. In diesem Zentrum der Bloch’schen Philosophie bündeln sich Anziehungskraft und Irritation für Philosophen und Marxisten. Denn die von Bloch behauptete und in bestimmter Weise auch realisierte Einheit von Philosophie, auch als besonderer ‚aktiver Metaphysik‘ und marxistischer Theorie irritiert Philosophen und marxistische Theoretiker gleichermaßen, da beide doch zumeist auf gegenseitige ‚Aufhebung‘ oder zumindest auf kritische Unterscheidung bzw. abgrenzende Kritik eingeschworen sind.“

Die Rezeption durch Fahrenbach verbindet den Anspruch des Möglich-Verändernden mit dem Kommunikativ-Diskursiven: „Denn in einer sozio-kulturell differenten und politisch-ökonomisch disparaten Weltgesellschaft, deren Differenzen aber zugleich in einer komplexen Verflechtung und Abhängigkeit zueinander stehen, muss auf den verschiedenen Ebenen eine diskursiv kommunikative Verständigung über die allgemeinen und differenten Interessen und ihren Ausgleich gesucht werden, wenn gleichberechtigte Anerkennungsverhältnisse erreicht und der Weg zu einem solidarischen ‚weltbürgerlichen Zustand‘ beschritten werden soll.“

Deutlicher wird Fahrenbach in seinem Verständnis kommunikativer Vernunft, die er als „interkulturell notwendige Denkform“ betrachtet: „Kommunikative Vernunft ist die der selbstkritisch reflektierten Moderne zugehörige Vernunftform, die den Geltungsmodus und Wahrheitserweis von Erkenntnis- und Gewissheitsansprüchen kognitiv-theoretischer und normativ-praktischer Art weder subjektiven Evidenzen oder apriorischen Gewissheiten noch einer positivistisch oder instrumentell reduzierten Verstandes-Rationalität überantwortet, sondern – zumal in Dissenslagen – der kommunikativ-diskursiven Klärung, Prüfung und möglichen Verifikation im Sinne intersubjektiv allgemeiner Anerkennung bzw. Anerkennungsfähigkeit.“ Spätestens bei dieser Aussage wird die brennende Aktualität Fahrenbachschen Denkens angesichts militärischer Konflikt- und Kriegspropaganda und internet-algorithmischen Manipulierungsversuchen mehr als offensichtlich.

In den letzten Jahren ist es in der Öffentlichkeit um Helmut Fahrenbach nur scheinbar ruhiger geworden. Voller Energie und Tatendrang nahm er sich am Schreibtisch vor, sein schriftliches Werk zu sichten. Im Talheimer Verlag fand er einen Partner, mit dem er über rund zehn Jahre hinweg zwischen 2015 und 2025 seine letztlich zwölfbändige elf Titel enthaltende Gesamtausgabe zuzüglich eines Ergänzungsbandes publizieren konnte. Das Sortieren, Gliedern, Konzipieren, das Lektorieren und Korrigieren teilte sich der Autor mit der Übersetzerin der Schriften Ivan Golls, Monika Fahrenbach-Wachendorff, und dem Verlag.

Einige Wochen vor seinem Tod wurde das Gesamtwerk des Autors auf dem „Tübinger Bücherfest 2025“ gewürdigt. Im Beisein von Monika Fahrenbach-Wachendorff und weiterer Familienmitglieder lasen Irene Scherer und Welf Schröter aus mehreren Titeln der Gesamtausgabe. Die Lesung war eine Würdigung des Werkes und seines Autors wie auch Ausdruck besonderer Wertschätzung eines ungewöhnlich belesenen Denkers, der in freundlichem Ton auch enge intellektuelle Mitstreiter wie Bloch, Küng, Habermas mit Freude sachlich kritisch hinterfragte. In seiner „frag-würdigen“ Weise.

Zu Lebzeiten Helmut Fahrenbachs hat sich die Institution Universität von ihm abgewandt. Die Alma Mater hat die hohe Aktualität seines Denkens offiziell nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Im Nachhinein gereicht dies – trotz aller Schmerzen der Enttäuschungen – ihm zur Ehre. Doch auch die Bloch-Community wollte mehrheitlich mit ihm nicht in Verbindung treten. Während dieser Teil der Community auf Themen wie Glücksphilosophie, Dekonstruktion und Ästhetik setzte, drängte Fahrenbach zur materialistischen Analyse, zum Fragen-Lernen, zur gesellschaftlichen Fundierung der Ethik und zur Kontroverse über die Universalität der Menschenrechte im Geiste eines zu erweiternden Weltethos-Gedankens. Für den genannten Teil der Community galt er zumeist als störend.

Für seine Störungen und seine Rolle als Störender sind wir ihm gerade dankbar. Sein klares Denken, seine präzise Analyse, sein Fragen waren anstrengend, fordernd, herausfordernd. Bertolt Brecht sagte einmal, der Kopf sei rund, damit das Denken die Richtung wechseln könne. Dieser nicht nur humorvoll zu nehmende Satz passt zum Autor Helmut Fahrenbach, der Bertolt Brecht sehr schätzte.

Es ist an der Zeit, dass ältere und junge Menschen dem aufrechten Gang wieder mehr Bedeutung beimessen, sich dem Abenteuer des Lesens, des Diskutierens, des Argumentierens zuwenden. Es gilt, im Fahrenbachschen Sinne das Fragen zu lernen, um Gegebenes hinterfragen zu können. Es ist an der Zeit, Mut zum Widerspruch zu entwickeln, Mut zu fassen, selbst denken zu wollen. Es gilt, erneut Antworten auf die Frage zu finden: Was ist der Mensch und was könnte er sein? Vielleicht hatte Karola Bloch schon eine der Antworten gefunden, als sie einst von der „Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden“ sprach.

Es ist an der Zeit, sich Fahrenbachs „Philosophische Anthropologie“ vorzunehmen, um sie zu erkunden und mit anderen darüber zu reden. Das wäre der beste Weg, seinem Denken gerecht zu werden.

Helmut Fahrenbach starb am 12. Dezember 2025 in Tübingen. Wenige Tage später wäre er am 18. Dezember 97 Jahre alt geworden.

Philosophie – Existenzanalyse – Sprachreflexion

Der Tübinger Philosoph und Bloch-Kenner Helmut Fahrenbach hat seine zwölfbändige „Philosophische Werkausgabe“ um den Ergänzungsband „Existenzanalyse und Sprachreflexion“ erweitert

Nach der Vollendung der „Philosophischen Werkausgabe“ von Helmut Fahrenbach und anlässlich seines 95. Geburtstages hat sich der Autor zur Edition eines Ergänzungsbandes mit dem Titel „Existenzanalyse und Sprachreflexion“ als Erweiterung der erschienenen zwölf Bände entschlossen. Darin werden die sprachanalytischen und sprachphilosophischen Aspekte der philosophischen Anthropologie hervorgehoben. Die Interdependenz von Philosophie und Sprache rückt ins Zentrum der Herangehensweise:

„Philosophie kann ihr Erkenntnisinteresse und die mit ihm verbundene Reflexionsthematik in der Form ,begründeter Erkenntnis‘ theoretischer und praktischer Art nur auf eine methodisch reflektierte Weise realisieren. Dem Anspruch seiner methodischen Idee bzw. Reflexionsform nach ist Philosophieren ein hinsichtlich der Sinn- und Wahrheitsbedingungen prinzipiell selbstreflektiertes Denken. Denken und erfahrungsbezogenes Erkennen vollziehen sich jedoch wesentlich im ,Medium‘ der Sprache bzw. als Rede, worin sie allererst objektiviert, mitgeteilt und kritisch reflektiert bzw. kommunikativ geprüft werden können, und zwar als wissenschaftliches, methodisches Denken/Erkennen in der Form begrifflich bestimmter, argumentativ entwickelter und hinsichtlich des Geltungssinns und Wahrheitswerts ihrer Aussagen geprüfter bzw. prüfbarer Rede. Philosophie muss folglich (gerade auch als Meta- oder Prototheorie wissenschaftlicher Erkenntnis) die sprach-logischen Bedingungen und Kriterien wahrheitsfähigen Denkens thematisieren. Die Reflexionsform des Philosophierens und die universale Sprachvermitteltheit allen Denkens bedingen also die methodisch grundlegende Bedeutung der Sprachanalyse und Sprachkritik für die Selbstkonstitution der Philosophie und ihre Problemstellungen.“

Dabei geht der Autor vom handlungsorientierten Selbstverständigungsinteresse der Philosophie aus:

„Das dem philosophischen Fragen motivierend und sinngebend zugrunde liegende Erkenntnis- bzw. Reflexionsinteresse ist keineswegs ,rein theoretisch‘, sondern praktisch vermittelt, denn es ist im letztlich praktischen Vernunftinteresse des Menschen an Erkenntnis zum Zwecke seiner emanzipatorisch-praktisch relevanten Selbstverständigung und Handlungsorientierung in der Welt fundiert.“

In seinen im Anhang wiedergegebenen schon früheren „Thesen über Lage, Begriff und Funktion der Philosophie“ unterstreicht der Philosoph die Zielorientierung verändernder Praxis:

„Die teleologisch-utopische Funktion philosophischen Denkens wirkt sich überall dort aus, wo die realen Gegebenheiten – im Hinblick auf entworfene Ziele, antizipierte Möglichkeiten, Alternativen zum Bestehenden und seinen Entwicklungsmöglichkeiten – durch Akte produktiver Phantasie auf Zukunft und eine verändernde Praxis hin überschritten werden. Das geschieht bereits in allen normativen Erörterungen, die immer ein ,Transzendieren‘ des Faktischen und einen Entwurf von Zukunft enthalten (Sartre), sodann im ausdrücklichen Denken des theoretisch und praktisch Möglichen in seiner Spannung zum (jetzt) Wirklichen (und zwar nicht nur in einem prognostischen, sondern in einem projektiven Sinn) in Richtung ,konkreter Utopie‘ (Bloch u.a.) die Möglichkeitsdimension des Wirklichen aufzudecken (Bloch) und durch Entwerfen auch des jetzt unmöglich Scheinenden das Bewusstsein des Möglichen und die Motivation für eine verändernde Praxis zu aktivieren.“

Im Prozess des philosophischen Fragens greift Helmut Fahrenbach kritisch würdigend insbesondere auf die Arbeiten von Sören Kierkegaard, Helmuth Plessner, Ludwig Wittgenstein, Karl Jaspers, Ernst Bloch, Jean-Paul Sartre und Herbert Marcuse zurück.

Helmut Fahrenbach: Existenzanalyse und Sprachreflexion. Ergänzungsband zur Werkausgabe. 2024, 320 Seiten, ISBN 978-3-89376-200-2.

Inhalt

Vorbemerkung des Verlages

  1. Sprachanalyse im Rahmen systematischer Philosophie
  2. Die logisch-hermeneutische Problemstellung in Wittgensteins „Tractatus“
  3. Wittgenstein, Bloch, Marcuse und Kierkegaard.
    Oder: Die Sinnprobleme des Lebens als Grenze der Sprache und der analytischen Philosophie
  4. „Lebensphilosophische“ Anthropologie oder „existenzphilosophische“ Daseinsanalyse.
    Helmuth Plessner – Martin Heidegger
  5. Sprachanalyse und kritische Theorie. Zu Herbert Marcuses Kritik der sprachanalytischen Philosophie
  6. Zur Konzeption einer philosophischen Sprach-Anthropologie
  7. Erfahrung und Sprache in philosophischer Reflexion
  8. Thesen über Lage, Begriff und Funktion der Philosophie

Namensverzeichnis
Helmut Fahrenbach – Zur Person
Helmut Fahrenbach – Philosophische Werkausgabe

Addendum des Verlages

Vorbemerkung

Martin Böhler
Zur philosophischen Systematik der Werkausgabe von Helmut Fahrenbach
(Auszüge)

Link zur Werkausgabe (Übersicht)

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Unterwegs zum Menschen. Beiträge zur philosophischen Anthropologie Helmut Fahrenbachs

Anlässlich des Erscheinens der Werkausgabe des Tübinger Philosophen Helmut Fahrenbach haben Freunde sowie Schülerinnen und Schüler Beiträge zur kritischen Würdigung verfasst. Über mehrere Jahre hinweg stellte Helmut Fahrenbach sein Gesamtwerk in systematischer Absicht zusammen. Entstanden ist ein zwölfbändiges Werk ‒ ,Talheimer Ausgabe‘‒ in dessen Zentrum die beiden Bände ‚Philosophische Anthropologie‘ stehen. Angesichts der Ausrufung des ‚posthumanistischen‘ Zeitalters ist dies eine zwar nicht intendierte, aber auch nicht zufällige Entgegnung. Anthropologie ist nach Fahrenbach keine Teildisziplin neben Ontologie, Erkenntnistheorie usw., sondern sie reflektiert die grundlegende und zentrale Thematik der Philosophie überhaupt, der es um die ‚Selbst- und Seinserkenntnis‘ des Menschen geht. Dem entsprechend weit ist das Feld, in dem Fahrenbach seine Thesen und Bezüge absteckt: Existenzphilosophie von Kierkegaard bis Jaspers, Kritische Gesellschaftstheorie von Marx, Bloch, Sartre, Plessner, Lefebvre, Marcuse und Habermas, Sprachphilosophie von Herder und Humboldt bis Wittgenstein und Ricœur, Anthropologie von Gehlen bis Günter Dux, Moralphilosophie und Ethik von Kant bis Küng.

Dieser Band entstand auf Anregung des Talheimer Verlags anlässlich der abgeschlossenen Werkausgabe von Helmut Fahrenbach, noch einmal alle aus seinem Freundes- und ehemaligen Schülerkreis, die nach wie vor an seinem Denken interessiert sind, zusammenzutrommeln und zu einer Stellungnahme zu seinen Schriften aufzufordern. Ziel war es, diesen Band Helmut Fahrenbach zu seinem 94. Geburtstag überreichen zu können.

Dieser Band enthält Ausarbeitungen zum philosophischen Denken Helmut Fahrenbachs von Martin Böhler, Reinhard Brunner, Günter Dux, Walter Erhart, Hanna Gekle, Dieter Henrich, Dorothee Kimmich, Ulrich Müller-Schöll, Mathias Richter, Christof Schilling, Barbara Smitmans-Vajda sowie Irene Scherer und Welf Schröter.

Reinhard Brunner, Martin Böhler (Hg.): Unterwegs zum Menschen. Beiträge zur philosophischen Anthropologie Helmut Fahrenbachs. Mössingen-Talheim 2022, 256 Seiten, 34,00 Euro, ISBN 978-3-89376-199-9 (talheimer sammlung kritisches wissen Band 96).

Inhaltsverzeichnis

Reinhard Brunner, Martin Böhler: Unterwegs zum Menschen. Beiträge zur philosophischen Anthropologie Helmut Fahrenbachs ‒ Vorwort

Irene Scherer, Welf Schröter: Auf dem Weg zu Helmut Fahrenbachs zwölfbändiger philosophischer Werkausgabe. Erinnerungen aus verlegerischer Perspektive

Martin Böhler: Zur philosophischen Systematik der Werkausgabe von Helmut Fahrenbach

Dieter Henrich: Die erste Begegnung

Hanna Gekle: Im Bernstein der Zeit – Über das Trauma der Vernunft

Günter Dux: Wie der Geist in die Welt kam

Reinhard Brunner: Bild und Wirklichkeit. Zur anthropologischen Relevanz propositionalen Verstehens

Walter Erhart: „Rätselfragen der Existenz“ – Notizen zum anthropologischen Bezugsrahmen der Geisteswissenschaften

Mathias Richter: Verstehendes In-der-Welt-sein. Fahrenbach und Sartre: die existenzphilosophische Erweiterung der philosophischen Anthropologie und die Grenzen ihres Geltungsanspruchs für eine kritische Gesellschaftstheorie

Ulrich Müller-Schöll: Zum Verhältnis von „metaphilosophischer Praxis“ und einer „Kritik des Alltagslebens“ bei Henri Lefebvre

Martin Böhler: Marcuse reloaded. Anmerkungen zum unausgetragenen Konflikt zwischen Marcuse und Habermas im Werk von Helmut Fahrenbach

Christof Schilling: Vom Praktischwerden der Philosophie in Bildungsprozessen. Überlegungen zur Moralpädagogik im Ethikunterricht

Barbara Smitmans-Vajda: Zukunft? Hoffnung? Ou-topie oder Dis-topie? Vor- und Nachgedanken zu Helmut Fahrenbachs Buch „Wesen und Sinn der Hoffnung“

Dorothee Kimmich: „Es ist gut, auch fabelnd zu denken“ Ernst Bloch und der Rücken der Dinge

Angaben zu den Autorinnen und Autoren

„[…] Dem Entwurf einer zeitgenössischen Philosophischen Anthropologie, die zumindest Hinweise auf eine theoretisch und praktisch zureichende Antwort auf das Problem, das der Mensch für sich selbst ist, geben kann, hat Helmut Fahrenbach unermüdlich seine nun mehr als sieben Jahrzehnte dauernde philosophische Forschung gewidmet. Den Problemen, die sich ihm dabei stellten, ist er in einer Viel-zahl von akribisch ausgearbeiteten philosophischen Aufsätzen so intensiv nachgegangen, dass er jetzt die Summe seines Schaffens in einer nun auf zwölf Bände angewachsenen Werkausgabe vorlegen kann, in der er seine Texte thematisch zusammengestellt und zu einzelnen Bänden zusammengefasst hat. Fahrenbachs Aufsätze waren bis dato zeitlich und editorisch weit gestreut und dadurch heute für viele nicht mehr leicht auffindbar, was einer angemessenen Rezeption im Wege stand. Durch ihre konzentrierte Zusammenstellung wird nun ihr systematischer Zusammenhang ersichtlich und ihre philosophische Bedeutung betont, die Fahrenbach mit seinen prominenteren philosophischen Freunden und Zeitgenossen – Dieter Henrich, Ernst Tugendhat und Jürgen Habermas – auf Augenhöhe zeigt. […]“ (Martin Böhler)

Die zwölfbändige „Philosophische Werkausgabe“ von Helmut Fahrenbach ist erschienen

Nach mehrjähriger Editionsarbeit von 2015 bis 2023 konnte nun die „Philosophische Werkausgabe“ von Helmut Fahrenbach erscheinen. Der Philosoph Helmut Fahrenbach entwickelt seine eigenständige Philosophie auf Grundlage der kritischen Rezeption der Werke von Kant, Hegel, Marx, Löwith, Jaspers, Plessner, Kierkegaard, Wittgenstein, Sartre, Bloch, Marcuse, Lefebvre, Fromm und Habermas.

Fahrenbachs Werk kommt zur richtigen Zeit. Während durch Globalisierung, Robotik und Digitalisierung das aufgeklärte Menschenbild immer mehr in Frage gestellt wird, verteidigt der Autor die Selbstbestimmung des Einzelnen in solidarisch-gesellschaftlicher Emanzipation. Fahrenbach bietet Antworten auf aktuelle Fragen nach den Potenzialen der Humanitas. Es geht um die philosophisch-politische Erbschaft der Citoyennes und der Citoyens sowie der Stabilisierung und Weiterentwicklung der Freiheit. Helmut Fahrenbach entfaltet die Philosophie der Hoffnung zu einer Lebensphilosophie der Zukunft.

Aufbau „Philosophische Werkausgabe“

I. Problemlagen und Perspektiven der Philosophie im 20. Jahrhundert (Mössingen-Talheim 2022, 336 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-194-4)

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II. Wesen und Sinn der Hoffnung (Mössingen-Talheim 2021, 320 Seiten, 39,00 €. ISBN 978-3-89376-186-9)

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III. Ernst Blochs Philosophie der Hoffnung und Utopie – im Kontext und Diskurs (Mössingen-Talheim 2017, 472 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-173-9)

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IV. Kierkegaards existenzdialektische Ethik (Mössingen-Talheim 2021, 304 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-189-0)

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V. Philosophische Anthropologie – Gesellschaftstheorie – Ethik. Anthropologische und ethische Grundlagen einer humanistisch-sozialistischen Lebensphilosophie (Mössingen-Talheim 2021, 256 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-192-0)

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VI. Philosophie – Politik – Sozialismus. Ein prekäres Verhältnis in Deutschland (Mössingen-Talheim 2016, 488 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-158-6)

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VII. Bertolt Brecht – Philosophie als Verhaltenslehre (Mössingen-Tal¬heim 2018, 360 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-177-7)

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VIII. Karl Jaspers – Philosophie menschlicher Existenz und Vernunft (Mössingen-Talheim 2018, 2018, 392 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-175-3)

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IX./X. Philosophische Anthropologie. 2 Bde. (Mössingen-Talheim 2020, Band 1: Philosophische Anthropologie. Zentrum der Philosophie. Band 2: Anthropologie – Lebens-Praxis – Ethik – Humanistische Lebensphilosophie. (zus. 888 Seiten, 69,00 €, ISBN 978-3-89376-180-7)

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XI. Philosophie kommunikativer Vernunft (Mössingen-Talheim 2022, 328 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-196-8)

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XII. Brennpunkte neuzeitlicher Philosophie (Mössingen-Talheim 2023, 480 Seiten, 39,00 €, ISBN 978-3-89376-198-2)

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Die philosophische Werkausgabe in elf Titeln (zwölf Bände) folgt der Gliederung des Autors. Aus inhaltlichen problemorientierten Gründen wurden vom Autor wenige wichtige Aufsätze in verschiedenen Bänden identisch aufgenommen.

Siehe: http://www.talheimer.de/talheimer-neuerscheinungen.html