Aufzeichnung einer Lesung zu Ehren von Jürgen Teller

Im Herbst dieses Jahres wäre der Leipziger Philosoph Jürgen Teller, Schüler Ernst Blochs, einhundert Jahre alt geworden. Wegen seiner eigenständigen und vom SED-Diktat abweichenden Meinungen, wurde er in der DDR vom Staatssicherheitsdienst verfolgt. Er bekam in der Universität Berufsverbot. Dennoch hielt er seine widerständigen Auffassungen und sein Plädoyer für Meinungsfreiheit aufrecht. Er unterstützte die Leipziger Demonstranten gegen die SED und begrüßte den Fall der Mauer. Aus Anlass seines 100. Geburtstages lud der Talheimer Verlag zu einer Lesung am 3. Oktober 2026 mit dem Titel „Briefe durch die Mauer“. Die Lesung steht nun frei zugänglich online zur Verfügung unter: https://www.youtube.com/watch?v=4B9qfHQQ7zM

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Zu Ehren des Bloch-Schülers Jürgen Teller – Geboren vor 100 Jahren – Online-Lesung am 3. Oktober 2026

Würdigung und Wertschätzung des Philosophen Jürgen Teller, einem engen Freund von Karola und Ernst Bloch. Jürgen Teller, der 1999 starb; wäre am 12. September einhundert Jahre alt geworden.

Einladung zur Online-Lesung via Zoom am 3. Oktober 2026 (Feiertag) um 18.00 Uhr

Briefe durch die Mauer – Eine Lesung zu Ehren von Jürgen Teller, der vor 100 Jahren geboren wurde. Erinnerung an den Leipziger Philosophen, Bloch-Schüler und Kritiker des SED-Staates

Es lesen Irene Scherer und Welf Schröter, beide vom Talheimer Verlag. Ein biografisches Grußwort spricht zu Beginn Dr. Elke Uhl (Stuttgart). Sie assistierte in den neunziger Jahren Jürgen Teller bei der Wahrnehmung seiner Honorarprofessur an der Universität in Leipzig.

Eine Online-Veranstaltung des Talheimer Verlages in Zusammenarbeit mit der Hans-Mayer-Gesellschaft, mit der Redaktion des „bloch-akademie-newsletters“ und der Redaktion des „www.bloch-blog.de“. Beginn am Samstag 3. Oktober 2026 um 18.00 Uhr. Eintritt frei.

Für die Übermittlung des Zoom-Zugangslinks wird um Anmeldung vorab gebeten mit einer Mail unter dem Stichwort „Teller“ an: schroeter@talheimer.de

Am 12. September 2026 wäre der Leipziger Philosoph, Kritiker der SED sowie Freund von Karola und Ernst Bloch 100 Jahre alt geworden. Er stirbt im Alter von 72 Jahren am 10. Juni 1999. Die Online-Lesung erinnert an den Leipziger Professor Dr. Jürgen Teller. Trotz Bedrängung und Verfolgung durch den DDR-Staatssicherheitsdienst behält der blochkundige Jürgen Teller seinen eigenständig unabhängigen Kopf.

Jürgen Tellers Denken und Handeln lässt sich nicht nur anhand seines fachlich-wissenschaftlichen Wirkens als Germanist und Lektor umreißen. Deutlich wird seine aufrechte Haltung gegen das DDR-Regime gerade auch in dem zeitgeschichtlich außerordentlichen Briefwechsel-Band unter dem Titel „Briefe durch die Mauer“, der zehn Jahre nach Jürgen Tellers Tod erscheint.

In der Zeit, als Ernst und Karola Bloch in Leipzig leben und Ernst Bloch an der dortigen Universität bis zu seinem Rauswurf lehrt, beginnt eine enge Freundschaft zu Jürgen Teller, dem Bloch-Schüler, sowie zu Johanna Teller. Nachdem die Blochs 1961 kurz vor der Schließung der Mauer bei einem Aufenthalt im Westen entscheiden, nicht mehr in die DDR zurückkehren, setzt sich die Freundschaft in einem jahrzehntelangen deutsch-deutschen Briefwechsel fort.

Eine oft verschlüsselte, über Jahrzehnte andauernde Korrespondenz zwischen DDR-Kritikern in Leipzig und BRD-Kritikern in Tübingen offenbart eine besondere Facette deutsch-deutscher Geschichte. Unter dem Titel „Briefe durch die Mauer“ haben Jan Robert Bloch, Anne Frommann, Irene Scherer und Welf Schröter den teilweise chiffrierten Briefwechsel zwischen dem Philosophen Ernst Bloch, der Architektin Karola Bloch, beide Tübingen, sowie dem Philosophen und Blochschüler Jürgen Teller und der Galeristin Johanna Teller, beide Leipzig, im Talheimer Verlag veröffentlicht. Unter den Decknamen „Marcion“, „Polonia“, „Major Tellheim“ und „Minna von Barnhelm“ senden die Oppositionellen-Ost über Jahrzehnte heimliche Botschaften an die Oppositionellen-West und umgekehrt.

Mit der Veröffentlichung des Briefwechsels entsteht ein Impuls für eine Erweiterung der Rezeption der Werke Jürgen Tellers, der in Leipzig als früherer Assistent Blochs unter der Drangsalierung der DDR-Staatssicherheit leidet. In diesem außergewöhnlichen Buch trifft sich die „andere“ DDR mit der „anderen“ BRD: Ein Dialog jener, die in ihren jeweils verschiedenen Gesellschaften zu oppositionellen Andersdenkenden werden. Die Lesung zeigt auch die bittere Ironie Tellers über das SED-Reich „Pachulkistan“ auf.

Aus mehr als zweihundert Briefen mit mehr als eintausend erklärenden Fußnoten entfalten sich die enttäuschten Hoffnungen zweier Generationen wie auch die Freude über den Sturz der SED. In den Kassibern werden viele Köpfe wieder lebendig: Hans Mayer, der in den Briefen an Bloch als „Literaturfreund“ benannt wird und bei dem Jürgen Teller nach dem Weggang Ernst Blochs promovieren will, Bertolt Brecht, Eberhardt Klemm, Uwe Johnson, Siegfried Unseld, HAP Grieshaber u.a.m.

Jahre später finden sich in Verstecken weitere Korrespondenzen. Sie sind vor den Hausdurchsuchungen der StaSi verborgen geblieben und erscheinen 2015 im Band „,Etwas, das in die Phantasie greift‘. Briefe von Karola Bloch an Siegfried Unseld und an Jürgen Teller.“

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Ausgewählte Literaturempfehlungen zum Weiterlesen

Jan Robert Bloch, Anne Frommann, Welf Schröter (Hg.): Briefe durch die Mauer. Briefwechsel 1954–1998 zwischen Ernst und Karola Bloch sowie Jürgen und Johanna Teller. 2009, 344 Seiten, ISBN 978-3-89376-113-5.

Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): „Etwas, das in die Phantasie greift“. Briefe von Karola Bloch an Siegfried Unseld und an Jürgen Teller. 2015, 392 Seiten, ISBN 978-3-89376-156-2.

Welf Schröter: „Sonst ist es fein still auf dem schneebedeckten Brachland Pachulkistans“ – Widerstehen durch die Mauer hindurch. Der deutsch-deutsche Briefwechsel von Johanna & Jürgen Teller (Leipzig) mit Ernst & Karola Bloch (Tübingen). Zum 20. Todestag von Jürgen Teller. In: Heidi Beutin, Wolfgang Beutin, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Michael Walter, Claudia Wörmann-Adam (Hg.): „Widerstand ist nichts als Hoffnung“. Widerständigkeit für Freiheit, Menschenrechte, Humanität und Frieden. 2021, 384 Seiten, S. 301–317, ISBN 978-3-89376-190-6.

Gert Roßberg: Es gibt Preise, die zahlt man nicht. Abschied von Jürgen Teller. In: Francesca Vidal (Hg.): Bloch-Jahrbuch 1998/99. Natur – Arbeit – Ästhetik. Anlässlich des fünften Todestages von Karola Bloch. 1999, 160 Seiten, ISBN 978-3-89376-086-2.

Ingrid Sonntag: Freundschaft als Refugium. Briefe zwischen Ernst & Karola Bloch und Jürgen & Johanna Teller. In: Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): Karola Bloch – Architektin, Sozialistin, Freundin. 2010, 392 Seiten, ISBN 978-3-89376-073-2.

Jürgen und Johanna Teller: Glückwunsch zum 86. Geburtstag. Brief an Karola Bloch. In: Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): Karola Bloch – Architektin, Sozialistin, Freundin. 2010, 392 Seiten, ISBN 978-3-89376-073-2.

Jürgen und Johanna Teller: „Dem Altern kann man halt nur mit Heiterkeit begegnen.“ Brief an Karola Bloch. In: Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): Karola Bloch – Architektin, Sozialistin, Freundin. 2010, 392 Seiten, ISBN 978-3-89376-073-2.

Jürgen Teller: Die große alte Dame der Linken. In: Anne Frommann, Welf Schröter (Hg.): „Ich gehe zu jenen, die mich brauchen“. Zum 85. Geburtstag von Karola Bloch. 1991, 192 Seiten, ISBN 978-3-89376-013-8.

Jürgen Teller: Die Zeit in der DDR. In: Anne Frommann, Welf Schröter (Hg.): Karola Bloch – Die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden. Reden und Schriften in zwei Bänden. Mit einem Nachwort von Jürgen Teller (1926–1999) und einem Beitrag von Hans Mayer (1907–2001) über Ernst Bloch. 1989/90, 340 Seiten, ISBN 978-3-89376-003-9.

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Eröffnung der Sonderausstellung „Ernst und Karola Bloch – Eine fotografische Reise durch ein bewegtes Leben“

Einladung zur Eröffnung der Sonderausstellung „Ernst und Karola Bloch – Eine fotografische Reise durch ein bewegtes Leben“ mit einem Vortrag von Roland Beer „,…denn ohne Arbeit kann man nicht leben‘ – Die Architektin Karola Bloch“ am 27. August 2026 um 18.00 Uhr im Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen/Rhein. Eintritt frei.

Die Veranstaltung eröffnet Prof. Dr. Dr. Matthias Mayer vom Ernst-Bloch-Zentrum Ludwigshafen/Rhein. Ihm folgt ein Grußwort von Welf Schröter, Mitherausgeber der Texte und Schriften Karola Blochs im Talheimer Verlag. Im Hauptvortrag spricht Roland Beer über das Leben und das Werk der Architektin Karola Bloch (1905-1994).

Als Frau, Jüdin und Sozialistin behauptete sie sich mit starkem Willen in einer von Männern dominierten Welt, in Europa und den USA. In den 1950er-Jahren war sie die führende Planerin von Kindereinrichtungen in der DDR. Als Anhängerin des „Neuen Bauens“ stand sie für die Ideale der Architekturmoderne, mit besonderem Blick auf das Soziale und die Perspektive der Frauen.

Roland Beer ist freier Stadtplaner, Fotograf und Autor. Er studierte in Stuttgart, Kaiserslautern und Halle/Saale und lebt seit 2003 in Leipzig. Seit 2019 widmet er sich kultur- und architekturhistorischen Forschungsprojekten – darunter zum Architekten Otto Fischbeck, zu Karola Bloch und zur Malerin Ruth Eitle. Gemeinsam mit Claudia Lenz verfasste er das Buch „,…denn ohne Arbeit kann man nicht leben‘ – Die Architektin Karola Bloch“ (Talheimer Verlag).

Im Anschluss an den Vortrag wird die neue Sonderausstellung „Ernst und Karola Bloch – Eine fotografische Reise durch ein bewegtes Leben“ eröffnet.

Näheres zum bebilderten Beer/Lenz-Doppelband
http://bloch-blog.de/denn-ohne-arbeit-kann-man-nicht-lebendie-architektin-karola-bloch/

Lesungen über Karola Bloch zum Anhören: https://bloch-blog.de/karola-bloch/

Bücher zu Karola Bloch: https://bloch-blog.de/buecher-zu-karola-bloch/

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Einladung zum Online-Vortrag „Ungleichzeitigkeiten in den Erinnerungen an den Holocaust“

Einladung zum Online-Vortrag zur „Langen Nacht der Philosophie Zürich 2025“
„Ungleichzeitigkeiten in den Erinnerungen an den Holocaust“ am 21. November

„Ungleichzeitigkeiten in den Erinnerungen an den Holocaust – Philosophische Gedanken zum Dialog zwischen Nachkommen der Täter-Generation und den Nachkommen der Opfergeneration achtzig Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus“

Online-Vormittags-Vortrag mit Diskussion am 21. November 2025 von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr via Zoom veranstaltet vom Löwenstein-Forschungsverein e.V., dem Talheimer Verlag unterstützt von der Redaktion „bloch-akademie-newsletter“ sowie von der Redaktion der Zeitschrift „Latenz“. Referent: Welf Schröter, Mitherausgeber und Mit-Autor des Buches „Erinnerungskultur stärkt Demokratie“.

In diesem Jahr wurde zu zahlreichen Veranstaltungen aus Anlass des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und der Befreiung vom Nationalsozialismus eingeladen. Immer wieder rückt dabei das Gedenken an den Holocaust, an die Shoah und an die Befreiung der NS-KZs wie Auschwitz, Bergen-Belsen u.a. in den Vordergrund. Es stellt sich die Frage, ob Erinnerung gleich Erinnerung ist. Wie erinnern sich Nachkommen der Tätergeneration? Wie erinnern sich Nachkommen der Opfergeneration? – Der Autor nimmt den philosophisch interpretierten Begriff der „Ungleichzeitigkeit“ zur Hand, um damit Unterschiede, Widersprüche und Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen. Anhand von Beispielen für ungleichzeitiges Erinnern weist der Referent auf die Rolle der Sprache hin. Exemplarisch geht der Vortrag auf Opfer- und Täter-Kontroversen ein. Unter anderem beleuchtet er das Leben der Hitler-Gegnerin, Polin und Jüdin Karola Bloch (1905–1994) und die Geschichte der Rezeption des antisemitischen Verbrechens gegen die mit dem Bauhaus verbundene Mössinger Löwenstein’sche Pausa (1919–1936), einem vor 1933 künstlerisch innovativen Textilunternehmen in Süddeutschland.

Direkt-Link: https://www.langenachtderphilosophie.ch/speakers/erbschaften-vergangener-zeit-ungleichzeitigkeit-in-der-erinnerungskultur-nach-dem-holocaust/
Eintritt frei. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Nach Anmeldung bei schroeter@talheimer.de mit dem Stichwort „21.11.“ wird der Zoom-Link zugesandt.

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Philosophieren ist nun einmal kein standpunktloses Unternehmen

Philosophieren ist nun einmal kein standpunktloses Unternehmen. Lesung am Sonntag 28. September 2025 um 15.00 Uhr in den Räumen des Weltethos-Institutes Tübingen, Hintere Grabenstraße 26

In einer großen Anstrengung veröffentlichte der Tübinger Philosoph Helmut Fahrenbach sein fachliches Gesamtwerk. In zwölf Bänden plus einem Ergänzungsband entstand die Talheimer Ausgabe. In einem Zeitraum von neun Jahren wurden die dreizehn Bücher nach und nach verlegt. Die Edition der Ausgabe wurde anlässlich Helmut Fahrenbachs 95. Geburtstag vollendet. Der Philosoph Helmut Fahrenbach entwickelt seine eigenständige Philosophie auf Grundlage der kritischen Rezeption der Werke von Kant, Hegel, Marx, Löwith, Jaspers, Plessner, Kierkegaard, Wittgenstein, Sartre, Bloch, Marcuse, Lefebvre, Fromm und Habermas.

„Fahrenbachs Werk kommt zur richtigen Zeit. Während durch Globalisierung, Robotik und Digitalisierung das aufgeklärte Menschenbild immer mehr in Frage gestellt wird, verteidigt der Autor die Selbstbestimmung des Einzelnen in solidarisch-gesellschaftlicher Emanzipation. Fahrenbach bietet Antworten auf grundlegende, immer noch aktuelle Fragen nach den Potenzialen der Humanitas. Es geht um die philosophisch-politische Erbschaft der Citoyennes und der Citoyens sowie der Stabilisierung und Weiterentwicklung der Freiheit. Helmut Fahrenbach entfaltet die Philosophie der Hoffnung zu einer Lebensphilosophie der Zukunft.“ (Talheimer Verlag)

In ihrer Lesung haben Irene Scherer und Welf Schröter, beide vom Talheimer Verlag, Passagen aus Helmut Fahrenbachs Werk ausgewählt, die sich mit Fragen der Hoffnung, der Philosophie der Zukunft, des Menschenbildes, der Menschenrechte befassen. Neben der „Philosophischen Anthropologie“ kommt auch Fahrenbachs Rezeption des Küng’schen Weltethos-Gedankens zur Sprache. Eintritt frei.

Wer sich einen Überblick über die Werkausgabe verschaffen will, kann in einem 13-minütigen Video mit einem O-Ton des Autors sowie in der Gesamtschau der Bände einen Zugang finden. Siehe: https://youtu.be/FQvep8qKuDY und insbesondere https://bloch-blog.de/die-zwoelfbaendige-philosophische-werkausgabe-von-helmut-fahrenbach-ist-erschienen/

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Zum 120. Geburtstag Karola Blochs und zum 140. Geburtstag Ernst Blochs

2025 – Ein Jahr der Erinnerungsanlässe: Der 120. Geburtstag Karola Blochs,
der 140. Geburtstag Ernst Blochs, der 15. Todestag Jan Robert Blochs und
der 80. Jahrestag der Zerschlagung des Hitler-Regimes durch die Alliierten

„Wir haben eine Architekturfirma zusammen, in der statt Architektur Philosophie gemacht wird“ (Karola Bloch)

Es war Walter Jens, der in seinen besten Zeiten im Großen Saal des Landestheaters Tübingen anlässlich des 85. Geburtstages von Karola Bloch in Anwesenheit der Jubilarin vor aller Öffentlichkeit feststellte, dass sie die entschieden Linkere im Duo Bloch gewesen sei. Er verband – ganz im Einklang mit Hans Mayer – damit einen Blick auf das Paar Ernst und Karola Bloch, der beide Ehepartner auf gleicher Augenhöhe verortete. Er sprach humorvoll von einer einträchtigen Zwietracht, einer concordia discors. Er unterstrich die produktive Spannung zweier Menschen, zwischen denen keine Hierarchie herrschte, sondern gleichberechtige Ausprägungen analytisch-politischen Denkens. Das Paar wollte gemeinsam im selben Grab beerdigt sein. Gleich und gleichberechtigt nebeneinander.

Am 22. Januar 2025 jährte sich der Geburtstag Karola Blochs zum 120. Mal. Am 8. Juli 2025 liegt die Geburt Ernst Blochs 140 Jahre zurück. Vor 15 Jahren starb der Naturwissenschaftler und Philosoph Jan Robert Bloch, der Sohn des Paares. Eine solche Daten-Trinität verlangt nach Erinnerungen, nach Reflexion, nach Kritik.

Als Ernst und Karola Bloch 1961 das letzte Mal in ihrem Leben ihren bisherigen Handlungsmittelpunkt verließen, um von Leipzig nach Tübingen, von Ost nach West zu wechseln, begann zugleich ihr letzter gemeinsamer Lebensabschnitt. Sie starben in Tübingen. Auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus waren sie von Berlin nach Zürich, Wien, Paris, Prag, in die USA und Ende der vierziger Jahre nach Leipzig gezogen. Die Vertreibung ins Exil behinderte und beeinträchtigte ihre Lebensträume, ihre Lebensleistungen und ihre Lebenswerke.

Es schien, dass sie beide in der Neckarstadt eine neue gemeinsame Arbeitsgrundlage für sich geschaffen hatten. In einem Brief an Irene Henselmann beschrieb – wie Roland Beer und Claudia Lenz hervorheben – Karola Bloch 1968 recht humorvoll ihre neue Situation: „Ernst sagt, wir haben eine Architekturfirma zusammen, in der statt Architektur Philosophie gemacht wird. Und ich muss Dir sagen, dass trotz der Traurigkeit, dass Ernst nicht mehr lesen kann (…), macht mir diese ,Firma‘ viel Spass, denn es ist so schön mit ihm zusammen zu arbeiten.“

Diese durchaus humorvolle Formulierung trifft einen Kern: Während in den Exiljahren Karola Bloch den Unterhalt verdienen musste, weil Ernst Blochs deutschsprachige Werke im Ausland kaum verlegerische Interessen weckten, arbeiteten in der Tübinger Zeit beide tatsächlich am selben Arbeitsthema. Die Edition der Briefe Karola Blochs an den Suhrkampverleger Siegfried Unseld in dem Band „Etwas, das in die Phantasie greift“ bezeugen die neue Rolle Karola Blochs: Sie hat faktisch das Editionsmanagement der Ernst-Bloch-Gesamtausgabe weitgehend mitbetreut, wenn nicht gar vielfach gesteuert.

Während in den Exilstationen und in der Leipziger Zeit beide Blochs ihren jeweiligen Berufen in eigener Dynamik folgten, wendete sich ab 1961 das Blatt. Karola Bloch gab ihren Beruf als Architektin auf. Für westdeutsche Augen und Ohren erschien sie nun als „Frau von“. In den Exil-Jahren davor war Ernst Bloch der „Mann von“. Für die Öffentlichkeit der BRD blieben die beruflichen Leistungen, ihr Lebenswerk, verdeckt. Erst posthum – viele Jahre nach ihrem Tod – wird das Profil Karola Blochs als hochkompetente und wirtschaftlich selbstständige Architektin des „Neuen Bauens“ erkennbar.

Doch die Rezeptionsgeschichte des Lebenswerkes der Architektin steht nach ihrem Tod lange unter dem Schatten eines partiellen Machismo in der Bloch-Community. Ihr, die am Bau von Hochhäusern, Theatern und Kindereinrichtungen maßgeblich mitwirkte, wird – eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem Ableben – aus der Mitte der Bloch-Community die Fähigkeit des Denkens abgesprochen. Ein diskriminierender Vorgang. Auf diesen Akt folgte aus der Community vor allem Schweigen. Noch immer steht diese Herabwürdigung ohne deutlichen Widerspruch bis heute im Raum.

Mehr noch: Rezeptionsgeschichtlich wird zudem eine wesentliche Faktenfolge umgedreht. Die Umwertung will der Architektin den Vorwurf der dogmatischen Sowjet-Ideologisierung machen. Abgrenzend soll man dagegen das Werk Blochs – wohl eher entpolitisierend – ästhetisch und literarisch neu lesen. Karola Bloch wird rückwirkend zu einer Art moskautreuer Doktrinärin verzaubert. Es würde – so lautet die versteckte Argumentation – der Erinnerung an Karola Bloch schaden, wenn man ihre Werke und Texte aus der DDR-Zeit heute neu veröffentlicht. Ein Ton der umgedrehten Rezeption.

Es war Ernst Bloch, der Stalin eine publizistische Verbeugung zollte, während Karola Bloch sich für Flüchtlinge einsetzte, die vor Stalin flohen. Es war Ernst Bloch, der den DDR-Nationalpreis entgegennahm, während die Architektin Bloch die SED kritisierte. Es war Karola Bloch, die sich dafür einsetzte, nicht nach Moskau sondern in die USA zu fliehen. Es war Karola Bloch, die in Leipzig der SED „roten Faschismus“ vorwarf und nach Denkmälern für die Stalinopfer rief. Dies bezeugte Jürgen Teller. Ernst Bloch korrigierte schließlich seine Wertung Stalins und gestand seinen Irrtum ein.

Vor diesem Hintergrund war es ein wichtiger Schritt und eine große Leistung, dass das Team Beer/Lenz in unabhängiger Arbeit alle findbaren Texte der Architektin aus ihrer Leipziger Zeit ungekürzt veröffentlichte.

Die Entdeckung bzw. Wiederentdeckung des Lebensweges und des Lebenswerkes der Architektin des „Neuen Bauens“ erlaubt die Verschiebung der Schwerpunkte innerhalb der Bloch Communities. Die Betrachtung der Leipziger und Tübinger Zeit der Blochs ebnet den Weg zur Sichtung der Werkgemeinsamkeit und zur Eröffnung der Möglichkeit, das Verbindende der beiden Hitlergegnerschaften herauszuheben.

Wir sollten den 120. Geburtstag Karola Blochs und den 140. Geburtstag Ernst Blochs zum Anlass nehmen, die Diskussion über die Werke beider Blochs frei von konservierender Diskriminierung und frei von alt-antikommunistischen Vorurteilen mutig neu zu entfachen.

Wir sollten beide Blochs würdigen, auf gleicher Augenhöhe in ihrer beruflichen Unterschiedlichkeit, wie sie sich selbst gesehen haben in ihrer „Architekturfirma“. Warum jetzt? Weil eine alte neue Diskriminierung sich anschleicht. Im Vorfeld der Lesung zum Leben Karola Blochs kürzlich in Albstadt weigerte sich eine Buchhandlung für die Veranstaltung zu werben, weil Karola Bloch eine Jüdin war.

Erinnern wir uns dabei an Jan Robert Bloch. Er wünschte sich im Jahr 2000 – zehn Jahre vor seinem plötzlichen Tod – ein „Forum für kämpfende Humanität“ als Perspektive der Bloch-Community. Dieser Wunsch wurde 25 Jahre danach noch nicht eingelöst. Heute stünden die Verteidigung der Menschenrechte und der rechtstaatlichen Demokratie, der Widerspruch gegen Antisemitismus und Rassismus sowie der Einsatz für gerechten Frieden und Klimaschutz im Vordergrund einer „kämpfenden Humanität“. Blochs Verständnis von Ungleichzeitigkeiten und antizipatorischem Bewusstsein – auch im Sinne Helmut Fahrenbachs – könnten einem solchen Vorgehen zugrunde liegen. Weniger Innenzentrierung mehr Interventionen sind erforderlich. Vor gesellschaftspolitischem und zugleich parteiunabhängigem Denken muss man keine Furcht spüren.

Es wäre zudem an der Zeit, die Versäumnisse des Jahres 2024 zu korrigieren. Anlässlich des 30. Todestages Karola Blochs im vergangen Jahr ist es nicht gelungen, eine Veranstaltung zu ihrer Würdigung im Ernst-Bloch-Zentrum durchzuführen. Die Daten-Trinität in diesem Jahr wäre eine Chance, eine Würdigung der Architektin nachzuholen und dem Blick, den die Blochs auf sich selbst hatten, zu folgen.

Wenn wir uns in diesem Jahr der Zerschlagung des Hitler-Regimes und der Befreiung durch die Alliierten vor nunmehr achtzig Jahren erinnern, ist es an der Zeit, wieder Karola Bloch nachzulesen – auch und gerade gegen die männlich-überdrehte Perspektive. Sie schrieb: „Unmündigkeit ist trotz größter zivilisatorischer und kultureller Entfaltung nach wie vor geblieben. Unsere Aufgabe ist es, unaufhaltsam aufzuklären, das Bewußtsein des Menschen wachzurütteln. Andere Waffen haben wir nicht“ (Karola Bloch).

Lesehinweise: Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): „Etwas, das in die Phantasie greift“. Briefe von Karola Bloch an Siegfried Unseld und an Jürgen Teller. 2015, 392 S., ISBN 978-3-89376-156-2. // Roland Beer, Claudia Lenz: „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“. Die Architektin Karola Bloch. 2022, 2 Bände, 696+4 S., ISBN 978-3-89376-187-6. // Näheres zum bebilderten Doppelband Beer/Lenz siehe: http://bloch-blog.de/denn-ohne-arbeit-kann-man-nicht-lebendie-architektin-karola-bloch/ // Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): Karola Bloch – Architektin, Sozialistin, Freundin. 2010, 392 S., ISBN 978-3-89376-073-2. // Francesca Vidal (Hg.): Bloch-Jahrbuch 2010. Experiment Welt. Zum 125. Geburtstag von Ernst Bloch – In Erinnerung an Jan Robert Bloch. 2010, 160 S., ISBN 978-3-89376-136-4. // Bücher von sowie über Karola Bloch siehe: https://bloch-blog.de/buecher-zu-karola-bloch/

Blochs Begriff der Ungleichzeitigkeit als Möglichkeit zur Verteidigung der Demokratie

Blochs Begriff der Ungleichzeitigkeit als Möglichkeit zur Verteidigung der Demokratie. Ein Impuls anlässlich des 47. Todestages von Ernst Bloch am 4. August 2024

„Ja, ich will aufrührerisch sein!“ Mit diesem Satz solidarisierte sich Ernst Bloch mit jenen Bürgerinnen und Bürgern, mit jenen Citoyennes und Citoyens, denen die bundesrepublikanische Gesellschaft nicht demokratisch genug war, denen das Verfassungsversprechen zu wenig Verfassungsrealisierung einlöste. Blochs Kritik an der Demokratie war keine Ablehnung des Demokratischen sondern eine Forderung nach der Demokratisierung der Demokratie. Darin unterscheidet sich Blochs Gesellschaftskritik grundlegend von jenem politischen Denken, das zur Dialektik nicht willens ist oder sich intellektuell ermüdet von dieser zurückzieht. Neben dem juristisch angelegten Regelungswerk unserer Gesellschaft, die sich allzu oft in positivistischer Haltung nur dem Formalen zuwendet, bedarf es einer materialistischen Analyse der Hemmnisse von angestrebten Demokratisierungen. In dieser Verknüpfung von dialektischem und materialistischem Denken ist Blochs Begriff der „Ungleichzeitigkeit“ zuhause. In der aktuellen Kontroverse um die Verteidigung der Demokratie gegen autoritäre und illiberale Bestrebungen bietet Blochs Ansatz ein wichtiges Instrument zur Förderung einer reflektierenden Bewusstseinsarbeit.

Die Verteidigung des Demokratischen wird möglich als Folge rationalen Kommunizierens und als Folge der Analyse von ungleichzeitigem Bewusstsein. Unser Denken, unser Bewusstsein trägt bewusst und unbewusst Unabgegoltenes und nicht aufgehobene Vergangenheit mit sich. Ein Beispiel: Unsere Eltern und Großeltern gaben in Worten, Gesten und Körpersprachen die NS-Erziehung an Kinder und Kindeskinder weiter. Rollenbilder von Männern und Frauen wurden in der Psyche der Menschen verankert. Die Revolte der Achtundsechziger, die Frauenbewegungen, die Emanzipationsbewegungen haben diese „Erbschaft“ praktisch aufgegriffen und bewusster Veränderung zugänglich gemacht. Ungleichzeitigkeit wurde bewusst erfahrbar und aufhebbar.

Doch in der Revolte der Kinder gegen ihre NS-Eltern blieb oftmals ein anderes ungleichzeitiges Fragment zu wenig geortet. Es ist die zu gering aufgeklärte Latenz des Nationalen. Es ist ein noch immer vorhandenes Fühlen und Agieren als vermeintlich nationales Bewusstsein. Das nationalistische Denken in Europa ist deutlich älter als die NS-Zeit. Nationales Handeln war im 19. Jahrhundert Ausdruck demokratischer Opposition gegen Fürstengewalt. Die Verstaatlichung des Nationalismus kippte das Emanzipatorische „Von-unten“ ins Wilhelminische „Von-oben“.

Im Prozess der Verteidigung der Demokratie gegen jene, die Nation, Religion und Herkunft über die Verfassungs- und Menschenrechte stellen wollen, hilft die Blochsche Perspektive des ungleichzeitigen Bewusstseins, um das Universalrecht des Menschen als Individuum dem Völkisch-Nationalen entgegenzusetzen. Gerade in der Auseinandersetzung über den russischen Angriff auf die Ukraine und über den Hamas-Angriff vom 7. Oktober scheinen unabgegolten alte Bewusstseinsstufen auch in aufgeklärt kritischen Diskursen unaufgehoben zu wirken. Dabei bleibt festzuhalten, dass der blutige Überfall der Hamas mit den Massenvergewaltigungen und den Entführungen in keiner Weise zu rechtfertigen ist.

Wir alle wissen, es gibt nicht „die“ Deutschen, „die“ Schwaben, „die“ Christen. Warum aber gibt es im vermeintlich linken Diskurs „die“ Palästinenser und „die“ Israelis. Warum gibt es „die“ Russen und „die“ Ukrainer? Mit diesem alten Denken verteidigt man keine Demokratie. Man schwächt sie. Dagegen sollte gelten: Entlang des Denkens von universalistischen Menschen- und Demokratierechten müssen wir nach Demokratinnen und Demokraten in Rußland, in der Ukraine, in Israel und in Palästina fragen. Nicht die Nationalflagge bedeutet Zukunft sondern das Bekenntnis zu wahrhafter Demokratie.

Wer heute zu Recht und notwendigerweise zur Verteidigung der Demokratie aufruft, darf sich nicht scheuen, sich selbst zu hinterfragen: Wieviel undemokratisches oder gar antidemokratisches Bewusstsein tragen wir ungeklärt in uns, wenn wir über Israel oder Palästina reden? Wollen wir nationales Denken stärken oder wollen wir die Demokratie voranbringen? Statt den nationalistischen Parolen für oder gegen Israel, für oder gegen Palästina, benötigen wir eine Solidarität mit all jenen Frauen und Männern in Israel und in Palästina, die gemeinsam für eine demokratische Zivilgesellschaft im universalistischen Sinne eintreten. Es geht um die Gemeinsamkeit all jener, die für verfasste Menschenrechte und deren rechtsstaatliche Umsetzung ringen. Nationalflaggen helfen da nicht. Konkrete Hoffnungen und konkrete Utopien erbringen gerade jene Ansätze, die bewusst das Nationale überschreiten.

In unserem eigenen Denken herrscht noch viel Ungleichzeitiges. Oftmals tragen wir – ohne richtig zu überlegen – alte Parolen aus der Zeit der Befreiungsbewegungen vergangener Jahrzehnte in die Gegenwart. Haben wir nicht gelernt, dass militärisch geführte nationalistische Befreiungsbewegungen das Nationale über die Demokratie stellen? Haben wir Mugabe, Gaddafi und Ortega vergessen? Wollen wir wirklich im Geiste der Hamas die Religion über dem Menschenrecht einstufen? Für die Frauenbewegung im Iran gegen die Mullahs stellt die Hamas eine frauenfeindliche, rechtsradikale und religiös-autoritäre Organisation dar. Ist diese plötzlich für uns eine Demokratiebewegung, nur weil sie mit Koran-Parolen gegen das Unrecht der israelischen Besatzung auftritt?

Wenn von uns gefordert wird, wir sollten uns zwischen der israelischen und der palästinensischen Flagge entscheiden, sollten wir zurückfragen, welche gemeinsamen israelisch-palästinensischen und palästinensisch-israelischen zivilgesellschaftlichen Demokratie-Projekte solidarisch unterstützt werden können.

Doch auch die unabdingbare Aufarbeitung des Kolonialismus und dessen Folgen benötigt Selbstreflexion. Ist nicht der anti-kolonialistische kritische Diskurs selbst noch mit den Muttermalen des Kolonialismus infiziert? Muss nicht im Prozess der Kritik auch das Nationale der Kritik selbst der Kritik unterzogen werden? Mit Bloch könnten wir sagen: Es bedarf nicht nur der Negation sondern auch dialektisch der Negation der Negation. Nationalismus ist keine passende Antwort auf Kolonialismus und Imperialismus. Nationalismus ist ebenso keine adäquate Antwort auf terroristische Verbrechen.

Gesellschaftspolitische Interventionen im Sinne der Demokratie fußen auf der Analyse komplexer Zusammenhänge und entsprechender Kompetenz. Der Tübinger Philosoph Helmut Fahrenbach fasste die Herausforderung in seinem Buch „Philosophie kommunikativer Vernunft“ in seine Worte:

Der spannungs- und konfliktreich „vernetzten“ Weltlage kann nur ein Denken und Handeln gerecht werden, das die Disparitäten und Spannungen zwischen Einheit und Differenz, Allgemeinem und Besonderem, Macht und Abhängigkeit durch eine die Verbindung und Verschiedenheit in der gegenwärtigen Welt zugleich wahrende und vermittelnde Sicht theoretisch zu erfassen und praktisch zum Abbau bzw. Ausgleich zu bringen versucht. Zur Klärung der damit gestellten Aufgaben ist auch Philosophie vonnöten, freilich nicht irgendeine, sondern eine Philosophie kommunikativer Vernunft, für die das dialektische Verhältnis von Einheit und Vielheit, Allgemeinem und Besonderem eine zentrale Reflexionsaufgabe darstellt und dies insbesondere im Hinblick auf die Ermöglichung der Verständigungs- und Kooperationsprozesse, die für die Entwicklung und den Bestand einer humanen, ausgleichenden Welteinheit in einer sozio-kulturell pluralistisch und politisch-ökonomisch disparat verflochtenen Weltgesellschaft notwendig sind. (Fahrenbach)

Verteidigung der Demokratie bedeutet, in kommunikativer Vernunft den Wert universaler Menschenrechte über den Wert des Nationalen zu setzen. Nicht umgekehrt. Das ungleichzeitige Bewusstsein in uns und in unseren Diskursen bedarf der Aufklärung und der dialektischen Aufhebung. In diesem Sinne ist uns das Denken des vor 47 Jahren am 4. August 1977 gestorbenen Ernst Bloch noch immer voraus.

Karola Bloch

Audiodateien der Lesungen zum Lebensweg und Lebenswerk der Architektin Karola Bloch (1905–1994) – Zusammengestellt anlässlich ihres 30. Todestages im Jahr 2024

Übersicht über die Aufzeichnungen von Online- und Präsenz-Lesungen aus Büchern von sowie über Karola Bloch. Im Zentrum steht die Neuerscheinung von Roland Beer und Claudia Lenz: >> „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch <<. Der neue Doppelband stellt eine Wiederentdeckung und zugleich in hohem Maße eine informationsreiche Neuentdeckung des Lebensweges und des Lebenswerkes der Architektin Karola Bloch (1905–1994) dar. Es lesen Roland Beer, Irene Scherer und Welf Schröter, unterstützt von Claudia Lenz. Die Lesungen waren Teil der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“. Diese Reihe wird getragen von: Redaktion „Latenz“, Redaktion „bloch-akademie-newsletter“, Löwenstein-Forschungsverein e.V., Hans-Mayer-Gesellschaft e.V. und Talheimer Verlag.

Näheres zum bebilderten Doppelband
Hinweise auf Bücher von wie auch über Karola Bloch

[ Audio X ] „… nicht berufstätig.“ – Die Architektin Karola Bloch in Tübingen 1961 – 1994. Zur Audiodatei: https://youtu.be/wT-BokaxV9Q

Aufzeichnung (Audiodatei 103.33 Min.) der Online-Lesung in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ am 8. Mai 2024 anlässlich des 30. Todestages von Karola Bloch: >>„… nicht berufstätig.“ – Die Architektin Karola Bloch in Tübingen 1961 – 1994<<. Eine Lesung aus der Neuerscheinung von Roland Beer und Claudia Lenz: >> „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch <<. Es lesen Roland Beer, Irene Scherer und Welf Schröter. Die Architektin Karola Bloch lebte von 1961 bis zum ihrem Tod am 31. Juli 1994 in Tübingen. Die Online-Lesung erinnert an das widerständige Leben, der aus einer polnischen jüdischen Familie kommenden Hitlergegnerin und scharfen Kritikerin Stalins. Mit großer Hoffnung auf ein besseres Deutschland kam Karola Bloch nach dem Zweiten Weltkrieg mit Mann und Kind aus ihrem amerikanischen Exil nach Leipzig. Sie verstand ihre berufliche Tätigkeit als Teil der Kultur des „Neuen Bauens“ und lehnte die SED-Linie der „Nationalen Bautradition“ ab. In ihrer Tübinger Zeit unterstützte Karola Bloch die studentische Bewegung in den Jahren 1967/1968 und gründete in Tübingen den „Republikanischen Club“. Sie solidarisierte sich mit dem „Prager Frühling“, mit der Frauenbewegung und der Friedensbewegung, mit Solidarnosc und mit den Sandinistas. Zusammen mit vielen Freundinnen und Freunden gründete sie den „Verein Hilfe zur Selbsthilfe“ für jugendliche Straftäter. Sie engagierte sich für die Frauenhaus-Bewegung und für chilenische Flüchtlinge. Mit Freude hörte sie vom „Neuen Forum“ in Leipzig und von den Montagsdemonstrationen 1989 in der DDR. Vor allem aber litt sie unter dem Bruch in ihrem Berufsleben: Sie war nicht mehr als Architektin tätig.

[ Audio IX ] „Karola Blochs berufliche und politische Praxis in der DDR (Teil 2): Die Architektin der Kindergärten – Das Beispiel des Leipziger Spinnerei-Kindergartens“
Zur Audiodatei: https://youtu.be/0spj8CDuKOM

Aufzeichnung (Audiodatei 51.37 Min.) der Online-Lesung am 22. Januar 2024 mit dem Titel: „Karola Blochs berufliche und politische Praxis in der DDR (Teil 2): Die Architektin der Kindergärten – Das Beispiel des Leipziger Spinnerei-Kindergartens“. Eine Lesung aus der Neuerscheinung von Roland Beer und Claudia Lenz: >> „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch <<. Es lesen Roland Beer und Welf Schröter. Die Lesungen in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ zeichnen den Weg der Architektin, Hitlergegnerin, Stalinkritikerin, Sozialistin, Polin und Jüdin nach. Die neue Lesung schildert ihre Leipziger Zeit in den fünfziger Jahren. In Teil 1 wurden die Widersprüche und Widerstände zwischen Neuem Bauen und Nationaler Bautradition“ deutlich: Karola Blochs Kritik an der offiziellen SED-Linie der „Nationalen Bautradition“ offenbarte sich in ihrem Ringen um das „Neue Bauen“. Teil 2 zeigt die Arbeit der Architektin am Beispiel des Leipziger Spinnerei-Kindergartens.

[ Audio VIII ] „Karola Blochs berufliche und politische Praxis in der DDR (Teil 1): Zwischen Neuem Bauen und Nationaler Bautradition“
Zur Audiodatei: https://youtu.be/nqEM5Y4ajCw
Aufzeichnung (Audiodatei 75 Min.) der Online-Lesung am 14. Dezember 2023 unter dem Titel: „Karola Blochs berufliche und politische Praxis in der DDR (Teil 1): Zwischen Neuem Bauen und Nationaler Bautradition“. Mit diesem Abend wird die öffentliche Folge von Online-Lesungen zur Würdigung des Lebensweges und des Lebenswerkes Karola Blochs fortgesetzt. Die Lesungen in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ zeichnen den Weg der Architektin, Hitlergegnerin, Stalinkritikerin, Sozialistin, Polin und Jüdin nach. Die neue Lesung schildert ihre Leipziger Zeit in den fünfziger Jahren. Unter dem Titel „Karola Blochs berufliche und politische Praxis in der DDR (Teil 1): Zwischen Neuem Bauen und Nationaler Bautradition“ werden die Widersprüche und Widerstände deutlich: Karola Blochs Kritik an der offiziellen SED-Linie der „Nationalen Bautradition“ zeigt sich in ihrem Ringen um das „Neue Bauen“.

[ Audio VII ] Tübinger Bücherfest 2023: „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch
Zur Audiodatei: https://youtu.be/saAdICM28gs
Aufzeichnung (75 Min.) der Lesung beim „Tübinger Bücherfest 2023“ am 24. September mit Roland Beer, Claudia Lenz, Irene Scherer, Welf Schröter in der Galerie Fingur in Tübingen. Die Lesung in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ war Narges Mohammadi, Sepideh Gholian, Niloufar Bayani und Golrokh Iraee gewidmet. Der Doppelband „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch“ lässt diese Frau auf neue Weise für sich sprechen. Es ist eine Wiederentdeckung und zugleich eine Neuentdeckung. Bislang unbekannte Briefinhalte, unveröffentlichte Beiträge und Texte, Fotos, Einblicke in das Leben einer Frau, die ihr Leben lang kämpfen musste, bringen ein zu wenig beleuchtetes und vielfach unerwartetes Bild einer widerständigen Persönlichkeit nahe.

[ Audio VI ] „Karola Bloch – Architektin im Exil“
Zur Audiodatei: https://youtu.be/xw72AyU0nAE
Aufzeichnung (64 Min.) der Online-Lesung mit dem Titel „Karola Bloch – Architektin im Exil“ am 4. Juli 2023. Die Lesung in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ zeichnet den Weg der Architektin, Hitlergegnerin, Stalinkritikerin, Sozialistin, Polin und Jüdin in den dreißiger und vierziger Jahren nach. Die Lesung schildert die Exilzeit in Wien, Paris, Prag und in den USA. In Prag arbeitete Karola Bloch mit der Bauhäuslerin Friedl Dicker zusammen, die davor auch für die Löwensteinsche Pausa in Mössingen tätig war.

[ Audio V ] „Die junge Karola Bloch – Ihr eigener Weg zur neuen Architektur“
Zur Audiodatei: https://youtu.be/9wt-XhHaR08
Aufzeichnung (59:35 Min.) der Online-Lesung mit dem Titel „Die junge Karola Bloch – Ihr rebellischer Weg zur neuen Architektur“ am 19. April 2023. Die Lesung in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ fand anlässlich des 90. Jahrestages der Machtübertragung an Hitler im Jahr 1933 wie vor allem auch anlässlich des 80. Jahrestages des jüdischen Aufstandes im Warschauer Ghetto am 19. April 1943 statt. Karola Blochs Eltern, ihr Bruder, ihre Schwägerin und ihr Neffe waren im Warschauer Ghetto gefangen und wurden im KZ Treblinka ermordet. Für Karola Bloch galt der aussichtslose jüdische Aufstand als außerordentliches Symbol für den Kampf um die Würde des Menschen. Die Lesung zeichnet den Weg Karola Blochs als Jugendliche und junge Frau nach bis zum Abschluss ihrer Berufsausbildung als Architektin. Wie prägten die Folgen der polnischen Teilungen und das Erleben der russischen Revolutionsereignisse 1917 in Moskau das Bewusstsein der damals Zwölfjährigen? Wie entstand ihr Interesse an Kunst? Wie fand sie Kontakt zum Bauhaus? Wie verliefen ihre Hochschulaufenthalte in Wien, Berlin und Zürich? Wie dachte die politische Polin? Wie wollte sie sich gegen Antisemitismus und gegen den erstarkenden Nationalsozialismus wehren?

[ Audio IV ] „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch
Zur Audiodatei: https://youtu.be/18KdzRbfWHY
Aufzeichnung (Audiodatei 60 Min.) der Onlinelesung „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch vom 22. Januar 2023 in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“. Am Sonntag 22. Januar 2023 stellten der Stadtplaner Roland Beer und die Architektin Claudia Lenz zusammen mit dem Talheimer Verlag ihren fast 700-seitigen Doppelband zum Lebensweg und zum Lebenswerk der Architektin Karola Bloch vor. Die Bücher erlauben eine Wiederentdeckung und zugleich eine umfassende Neuentdeckung Karola Blochs als Architektin der Moderne, als Anhängerin des „Neuen Bauens“ und des Bauhauses, als Kritikerin der nationalen Baukultur der DDR. Die einschlägige Neuerscheinung von Roland Beer und Claudia Lenz trägt den Titel: „… denn ohne Arbeit kann man nicht leben“ – Die Architektin Karola Bloch. Es lesen Roland Beer und Welf Schröter.

[ Audio III ] Karola Bloch – Aus meinem Leben
Zur Audiodatei: https://youtu.be/3ZlYXFb2E7M
Aufzeichnung als Audio-Datei (66 Min.) der Online-Lesung „Karola Bloch – Aus meinem Leben“ am 2. Dezember 2022 in der Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ im Rahmen des Projektes „Dreißig Tage im November – Vom Wert der MenschenRechte“ (2022). Es liest der Mitherausgeber der Schriften Karola Blochs, Welf Schröter. In der Online-Lesung m Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kristalle der Hoffnungen“ wird ein Teil des ungewöhnlichen Lebensweges Karola Blochs als Architektin, Sozialistin, Anhängerin des „Neuen Bauens“, Hitler-Gegnerin, SED-Kritikerin und Jüdin nachgezeichnet.

[ Audio II ] „Ernst und ich identifizierten uns mit der rebellischen Jugend“ (Karola Bloch) – Lesung aus „,Lieber Genosse Bloch …‘ – Briefe von Rudi Dutschke, Gretchen Dutschke-Klotz und Karola Bloch 1968–1979“
Zur Audiodatei: https://youtu.be/AH75uitjuw8
Die Aufzeichnung als Audio-Datei (62 Min.) der Online-Lesung des Talheimer Verlages zur Brieffreundschaft zwischen Rudi Dutschke, Gretchen Dutschke-Klotz und Karola Bloch. Die Lesung vom 27. April 2022 gehört zur Online-Lese-Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ im Jahr 2022. Es lesen Irene Scherer und Welf Schröter, beide vom Talheimer Verlag. Dieser Briefwechsel eröffnet den Blick auf eine ganz ungewöhnliche Freundschaft zwischen Personen unterschiedlicher Generationen. Der marxistische Philosoph Ernst Bloch (geboren 1885) und die Polin, Architektin und Sozialistin Karola Bloch (geboren 1905) finden unter anderem über Briefe Kontakt zu dem fast um ein halbes Jahrhundert jüngeren Rebellen Rudi Dutschke (geboren 1940), einem der bekanntesten Köpfe der Studentenbewegung von 1968. In diesem Band wurde der Briefwechsel zwischen Gretchen Dutschke, Rudi Dutschke und Karola Bloch umfassend zusammengefügt.

[ Audio I ] Karola Bloch – Die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden
Zur Audiodatei: https://youtu.be/HUqGoP0iMM4
Aufzeichnung als Audio-Datei (81 Min.) der Lesung des Talheimer Verlages zum Leben von Karola Bloch am 22. Januar 2022 unter dem Titel „Karola Bloch – Die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden – Texte aus dem Leben einer wunderbar frechen, aufmüpfigen und aufrechten Frau“. Die Lesung stellt Teil 1 der Online-Lese-Reihe „Kristalle der Hoffnungen“ im Jahr 2022 dar. Es lesen Irene Scherer und Welf Schröter. Am 22. Januar 1905 wurde die Widerstandskämpferin, Friedensaktivistin, Architektin, Anhängerin des Bauhauses, SED-Kritikerin, Unterstützerin von Solidarnosc und Jüdin Karola Bloch in der polnischen Stadt Łodz geboren. In ihrer Autobiografie „Aus meinem Leben“ beschreibt sie die Geschichte ihres Lebens, ihrer Hoffnungen, ihres Traumas und ihrer Tagträume.

„…und gibt das Hoffen nicht auf“ (Johanna Teller) – Zum Tode der Leipziger Galeristin Johanna Teller – Erinnerungen von Welf Schröter

Im Alter von 89 Jahren starb am 16. August 2023 in Leipzig die Galeristin Johanna Teller. Die Kunstkundige und Kunstvertraute, geboren am 8. Juni 1934, war jahrelang eine, wenn nicht die tragende Säule der „Galerie am Sachsenplatz“ in der Löwenstadt. Zu ihrem Netzwerk gehörten renommierte Kunstschaffende wie Wolfgang Mattheuer, Carlfriedrich Claus und Werner Tübke. Johanna Teller war Kommunikatorin, Organisatorin und antreibender Wille für eine autonome Kultur. Sie war eine außerordentliche Frau, die ein Leben lang gekämpft und gerungen hat. Ihre Liebe zur Kunst gab ihrem Handeln die Richtung.  

Ihre Eigenständigkeit und persönliche Unabhängigkeit zeigen sich in ihrem Beruf und in ihrem Zusammenleben mit ihrem Mann, dem Philosophen Jürgen Teller. Zusammen sind beide Tellers mit ihren Kindern eine innige und starke Kraft. Gemeinsam müssen sie viel erdulden und erleiden. Und doch haben sie ihre Ziele und Perspektiven. Sie stehen mutig für ihre Werte ein. Dies gilt insbesondere in der Zeit der politischen Verfolgung und der Bespitzelung durch den DDR-Staatssicherheitsdienst.

Ermutigungen erhält Johanna Teller nicht nur aus der Galerie-Tätigkeit sondern auch aus der engen Freundschaft mit Ernst und Karola Bloch. Die Nähe und Intensität dieser Freundschaft offenbart sich im Briefwechsel zwischen den Tellers und den Blochs, zwischen Leipzig und Tübingen. In den heimlichen „Briefen durch die Mauer“ aus der DDR in die BRD und umgekehrt schreibt Johanna Teller unter dem Lessingschen Decknamen „Minna von Barnhelm“ schon im Juni 1969 an „Polonia“ (Karola Bloch) ihre Sehnsucht nach mehr Freiheit: „Gewiss fällt einem da manchmal die Decke auf den Kopf, die Welt erscheint nicht nur, sondern  ist auch so beengt – man führe doch gerne mal nach Honolulu oder sonst wohin. […] und gibt das Hoffen nicht auf.“ An anderer Stelle schildert im Februar 1971 „Minna von Barnhelm“ die Phasen der Mutlosigkeit in der DDR: „Manchmal sind wir sehr müde von Pachulkistan.“ Im November 1964 sieht sie die Briefverfassenden bereits als „Abgetrennte und doch so stark Verbundene“. 

In solchen Zeiten helfen die Worte aus den brieflichen Kassibern, wenn sich die Blochs – im Sinne der Solidarität – als „neue Eltern“ gegenüber ihren neuen „Adoptivkindern“ deuten. Diese Verbildlichung vermittelt den dringend benötigten Wärmestrom. Ermutigung wird auch in der Zeit nach 1989 gebraucht. Jürgen Teller sendet im Januar 1993 an Polonia: „Und Jo setzt ihre Lebenskraft mit daran, dass die Leipziger ,Galerie am Sachsenplatz‘ in diesem rigorosen Kapitalismus redivivus überleben kann.“

Die wärmenden Worte der Korrespondenz zwischen Tübingen und Leipzig veranschaulichen im Juli 1984 die Lebenskraft und den Lebensmut der Galeristin. „Polonia“ bringt ein starkes Lächeln nach Leipzig mit ihren Zeilen: „Lieber Jü, liebe Jo, es war mir eine ungewöhnliche Freude[,] Euch wiederzusehen.  Ihr alten, vertrauten Freunde, solche findet man nicht wieder. Unsere Verbindung ist ein Bund fürs Leben, ich fühle mich mit Euch geradezu verwachsen, als ob Ihr ein Stück von mir wäret. Du Jo, hast mich entzückt durch Deine Schönheit und Jugendlichkeit. Du siehst ja aus wie ein[e] 30jährige Frau, nicht wie eine Fünfzigjährige. Hast ein Elexir der Jugend getrunken. Bist auch so fröhlich und vergnügt, alle vergangenen Sorgen sind schadlos an Dir vorbeigegangen. Ich bin so froh für meinen geliebten Jü, dass er so eine wunderbare Lebensgefährtin hat. Und die Liebe scheint zu blühen wie eh und je.“

Die persönlichen Begegnungen mit Johanna Teller in Leipzig finden in den neunziger Jahren und nach der Jahrtausendwende zunächst in der alten und dann in der neuen Wohnung statt. An den Wänden hängen Originale von ihren künstlerischen Freunden. Mitten im Raum steht eine selbstsichere und ruhige Frau.

Doch ihr Leben ohne ihren vertrauten Partner Jürgen Teller, der bereits 1999 gestorben war, verliert in den darauf folgenden Jahren an Richtung. Alte Freunde sind entweder ebenfalls gestorben oder haben sich nach der „Wende“ politisch verwandelt. Sie wollen mit den früheren Lebensgeschichten nichts mehr zu tun haben. Die Bloch-Community präsentiert sich kommunikationsunfähig und blendet „die Leipziger“ aus. Dies gilt auch für mehrere andere Personen, die in DDR-Zeiten zu den Blochs halten.

Sich an Johanna Teller zu erinnern, soll heißen, ihre Arbeit und ihre großen Leistungen wertzuschätzen. An sie zu denken, bedeutet, ihr Leben dauerhaft im Bewusstsein zu halten.

Johanna Teller strahlte Selbstbewusstsein aus, war in Haltung und Worten sehr souverän. So bleibt sie im Gedächtnis. „…und gibt das Hoffen nicht auf“ (Johanna Teller).

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Lesehinweise zu den Briefwechseln zwischen Tellers und Blochs: Jan Robert Bloch, Anne Frommann, Welf Schröter (Hg.): Briefe durch die Mauer. Briefwechsel 1954–1994 zwischen Ernst und Karola Bloch sowie Jürgen und Johanna Teller. 2009, 344 Seiten, ISBN 978-3-89376-113-5. Weiterer Hinweis: Irene Scherer, Welf Schröter (Hg.): „Etwas, das in die Phantasie greift“. Briefe von Karola Bloch an Siegfried Unseld und an Jürgen Teller. 2015, 392 Seiten, ISBN 978-3-89376-156-2.

Glück auf, Bernhard Hurm!

Ein großes Dankeschön gebührt dem Theatermacher Bernhard Hurm. Seit mehr als vier Jahrzehnten stärkt er das Theater Lindenhof in Melchingen. Der Bloch-Leser hat sich in kluger Weise in die Aufarbeitung der Geschichte des Mössinger Generalstreiks und der Geschichte der Mössinger Löwensteinschen Pausa eingemischt. Als Wertschätzung seiner jahrelangen Leistungen entstand zu seinem neuen Lebensabschnitt ein kleines Dreieinhalb-Minuten-Video. Siehe: https://youtu.be/apQw6y7qHBk  Glück auf, lieber Bernhard!